3D-Drucke nachbearbeiten: Schleifen, Grundieren, Lackieren
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Der 3D-Druck entwickelt sich rasant weiter, und das Wissen um Details macht oft den Unterschied zwischen einem gelungenen Print und einem Fehlschlag. In diesem Vergleich
Schleifen: Von grob zu fein
PLA und PETG schleifen sich gut mit Nassschleifpapier. Starte mit Körnung 120 (grobe Schichtlinien entfernen), dann 240 (Oberfläche glätten), 400 (Vorfinish) und 600–800 (Endfinish). Immer nass schleifen, Wasser verhindert Hitzeentwicklung (PLA wird bei Reibungshitze weich) und spült Schleifstaub ab. Für runde Flächen: Schleifpapier um einen Rundstab wickeln. Für Ecken: Schleifpapier um einen Zahnstocher. Zeitaufwand: 15–30 Minuten pro kleinem Teil (z. B. eine Miniatur), 1–2 Stunden pro großem Teil (z. B. ein Helm).
ABS lässt sich zusätzlich mit Aceton glätten: Das Teil in einem luftdichten Behälter über einem mit Aceton getränkten Tuch schweben lassen (Acetondampfbad). Die Dämpfe lösen die oberste Schicht an und erzeugen eine glasartige, spiegelglatte Oberfläche, Schichtlinien verschwinden vollständig. Einwirkzeit: 10–30 Sekunden (!), kontrolliere häufig, Überdosis löst Details auf. Aceton funktioniert nur bei ABS, nicht bei PLA oder PETG.
Grundieren und Spachteln
Filler-Primer (Dupli-Color Filler Primer, 8 € für 400 ml Sprühdose): Füllt kleine Schichtlinien und Unebenheiten. 2–3 dünne Schichten auftragen, jeweils 15 Minuten trocknen lassen. Nach dem Trocknen mit 400er Schleifpapier nass schleifen, die verbleibenden Unebenheiten zeigen sich jetzt als helle Stellen im grauen Primer.
Für tiefere Rillen und Löcher: 2K-Spachtelmasse (Polyester-Spachtel aus dem Autozubehör, 5 € für 250 g). Dünn auftragen, 30 Minuten aushärten lassen, mit 240er Schleifpapier glätten. Epoxidharz-Beschichtung (XTC-3D, 20 € für 180 g) erzeugt eine harte, glatte Oberfläche in einem Arbeitsgang, aufpinseln, 4 Stunden aushärten, schleifen. Ideal für Cosplay-Teile und Ausstellungsstücke.
Lackieren: Sprühlack und Airbrush
Sprühdosen (Dupli-Color, Montana, Molotow): 3–5 € pro Dose, 2–3 dünne Schichten in 20 cm Abstand. Zwischen den Schichten 10–15 Minuten trocknen. Acryl-Sprühlack haftet auf grundiertem PLA und PETG problemlos. Für Metallic-Effekte: Erst schwarze Grundierung, dann Metallic-Lack in dünnen Schichten, der schwarze Untergrund gibt dem Metallic Tiefe.
Airbrush (Einsteigersets ab 60 €): Feinere Kontrolle, Farbverläufe und Details möglich. Acrylfarben von Vallejo, Citadel oder AK Interactive (Miniaturenfarben, 3–4 € pro 17-ml-Flasche) liefern die besten Ergebnisse auf 3D-Drucken. Ein Klarlack-Finish (matt oder glänzend) schützt die Farbe vor Abrieb. UV-Schutz-Klarlack verhindert das Vergilben von PLA im Sonnenlicht.
XTC-3D Epoxidharz-Beschichtung: Die Profi-Methode
XTC-3D (von Smooth-On, 20 € für 180 g) ist ein dünnflüssiges Epoxidharz, das du mit einem Pinsel auf den 3D-Druck aufträgst. Es fließt in die Schichtrillen und erzeugt nach 4 Stunden Aushärtung eine harte, glatte Oberfläche. Vorteile gegenüber Schleifen und Grundieren: Schneller (ein Arbeitsgang statt 4–6), gleichmäßigerer, keine Staubentwicklung. Nachteile: Das Harz ist selbstnivellierend, auf senkrechten Flächen bilden sich Nasen und Tropfen. Lösung: Dünne Schichten auftragen und das Teil 10 Minuten nach dem Auftrag langsam drehen.
Nach dem Aushärten mit 400er Schleifpapier nass schleifen, dann grundieren und lackieren. Das Ergebnis ist von einem Spritzgussteil kaum zu unterscheiden. Für Cosplay-Teile, Requisiten und Ausstellungsstücke ist XTC-3D die beste Methode, ein Stormtrooper-Helm mit XTC-3D-Beschichtung sieht aus wie ein Filmrequisit, nicht wie ein 3D-Druck.
Für Funktionsteile, die keine optische Nachbearbeitung brauchen: Drucke mit 0,16 mm Schichtdicke statt 0,2 mm, die Schichtlinien sind 20 % feiner und die Oberfläche wirkt deutlich glatter, ohne den Druckzeitaufschlag von 0,12 mm. Für sichtbare Teile, die nicht lackiert werden: Ironing (Glätten der obersten Schicht) im Slicer aktivieren, die Nozzle fährt nochmal über die letzte Schicht und schmilzt die Oberfläche glatt. Kostet 5–10 % mehr Druckzeit, verbessert die Optik der Oberseite erheblich.
Nachbearbeitungs-Workflow: Zeiten, Kosten und Materialauswahl im Überblick
Eine professionell nachbearbeitete PLA-Oberfläche, die wie Kunststoffspritzguss wirkt, erreichst du in fünf definierten Schritten: Schleifen bis 600er Körnung, Filler-Primer auftragen, nass mit 400er schleifen, zweite Primer-Schicht, Farblack. Dieser Prozess dauert bei einem faustgroßen Objekt rund zwei bis drei Stunden Arbeitszeit plus vier bis sechs Stunden Trockenzeit — planbar, wenn du ihn als festen Workflow behandelst. Wer diesen Ablauf überspringt und direkt nach dem Druck lackiert, erhält eine Oberfläche, auf der Schichtlinien durch den Farblack hindurchscheinen und die Farbe bei mechanischer Belastung blättert, weil kein haftungsfördernder Primer als Zwischenschicht existiert.
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Veröffentlicht durch die 3D-Druck Guide-Redaktion. Veröffentlicht am 15. April 2026.
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