Maker-Glossar: 3D-Druck-Begriffe von ABS bis Z-Offset
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Beim 3D-Druck begegnen dir ständig Fachbegriffe, viele davon auf Englisch. Retraction, Infill, Layer Height, Bridging — wenn du gerade deinen ersten Drucker einrichtest, kann das ganz schön erschlagen. Hier findest du alle wichtigen Begriffe aus FDM, Resin-Druck, Slicer-Einstellungen und Drucker-Hardware, kompakt erklärt. Lesezeichen setzen lohnt sich: Du wirst immer wieder hier landen.
A
ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) – Hitzebeständiges Filament mit einer Formbeständigkeit bis ca. 100°C, damit klar im Vorteil gegenüber PLA. Du brauchst ein beheiztes Bett (100–110°C) und am besten ein geschlossenes Gehäuse, sonst riskierst du starkes Warping. Beim Drucken entstehen Dämpfe — gut lüften oder Abluftfilter nutzen.
ABL (Automatic Bed Leveling) – Sensor-gestützte Kalibrierung des Druckbetts, die Unebenheiten automatisch per Software ausgleicht. Gängige Systeme sind BLTouch, CR Touch oder kapazitive Sensoren wie beim Bambu Lab. ABL ersetzt die Grundkalibrierung nicht vollständig, nimmt dir aber die nervige Feinarbeit bei jedem Druckstart ab.
Adhesion / Haftung – Wie gut die erste Schicht am Druckbett klebt. Schlechte Haftung führt zu Warping oder komplettem Ablösen (Spaghetti-Druck). Du verbesserst die Haftung durch korrekten Z-Offset, ein sauberes Bett und passende Betttemperatur.
ASA (Acrylnitril-Styrol-Acrylat) – Die UV-beständige Alternative zu ABS, ideal für Außenanwendungen. ASA vergilbt nicht in der Sonne und hält ähnlichen Temperaturen stand wie ABS, ist aber etwas einfacher zu drucken. Ebenfalls beheiztes Bett und Gehäuse empfohlen.
B
Bed Leveling – Das Ausrichten des Druckbetts, damit der Abstand zwischen Nozzle und Bett überall gleich ist. Beim manuellen Leveling nutzt du den klassischen Papiertest (80g-Blatt zwischen Nozzle und Bett, leichter Widerstand = richtig). Automatische Systeme (ABL) messen mehrere Punkte und korrigieren per Software.
Bowden-Antrieb – Extruder-Bauform, bei der der Motor am Rahmen sitzt und das Filament durch einen PTFE-Schlauch zum Hotend schiebt. Das macht den Druckkopf leichter und erlaubt höhere Druckgeschwindigkeiten, allerdings reagiert die Retraction träger als beim Direct Drive.
Bridging – Drucken von Filament in der Luft zwischen zwei Auflagepunkten, ohne Support darunter. Funktioniert gut mit starker Kühlung und langsamer Bridging-Geschwindigkeit im Slicer. Als Faustregel gelten Brücken bis ca. 50 mm ohne Support als problemlos machbar.
Brim – Ein dünner, flacher Rand um die Basis deines Objekts auf der ersten Schicht. Er vergrößert die Haftfläche und verhindert Warping bei schmalen oder großen Teilen. Nach dem Druck lässt sich der Brim leicht mit einem Messer oder Spatel entfernen.
C
Cooling / Kühlung – Der Part-Cooling-Fan bläst das frisch gedruckte Filament gezielt ab und sorgt so für scharfe Kanten, saubere Brücken und bessere Überhänge. PLA braucht viel Kühlung, ABS und ASA dagegen möglichst wenig, sonst entsteht Warping durch thermischen Stress.
Cura – Einer der beliebtesten Open-Source-Slicer, entwickelt von Ultimaker. Riesige Community, viele fertige Druckerprofile und ein Plugin-System für Erweiterungen. Für Einsteiger gut geeignet, auch wenn neuere Versionen etwas träger wirken als OrcaSlicer oder PrusaSlicer.
D
Direct Drive – Extruder-Bauform, bei der Motor und Antriebseinheit direkt am Druckkopf sitzen. Das verbessert die Retraction-Kontrolle enorm, macht den Kopf aber schwerer. Für flexible Filamente wie TPU ist Direct Drive fast Pflicht, weil der kurze Filamentweg Buchsen und Knicke vermeidet.
Durchmesser (1,75 mm) – Der Standarddurchmesser für Filament im Heimbereich. Ältere oder professionelle Maschinen nutzen teilweise 2,85 mm (früher „3 mm"). Achte beim Kauf immer auf die Kompatibilität mit deinem Extruder und Hotend.
E
Elephant Foot – Unerwünschte Verbreiterung der untersten Schichten durch zu viel Druck oder zu geringen Z-Offset. Das Ergebnis: Die Basis deines Drucks ist breiter als das Modell es vorsieht, Maßhaltigkeit leidet. Feinjustierung des Z-Offsets und leichtes Anheben der ersten-Schicht-Linienstärke helfen.
Extruder – Motor und Zahnrad-Mechanismus, der das Filament kontrolliert in den Hotend schiebt. Je nach Bauform sitzt er am Druckkopf (Direct Drive) oder am Rahmen (Bowden). Ein gut kalibrierter Extruder ist die Grundlage für gleichmäßige Extrusion und Druckqualität.
F
FDM (Fused Deposition Modeling) – Die häufigste 3D-Druck-Technologie im Heimbereich. Filament wird erhitzt, durch die Nozzle gedrückt und Schicht für Schicht auf dem Bett aufgebaut. Günstige Einstiegsdrucker, große Materialauswahl und einfache Wartung machen FDM zur ersten Wahl für die meisten Maker.
Filament – Das Druckmaterial auf der Spule, standardmäßig 1,75 mm im Durchmesser und meist 1 kg pro Rolle. Die häufigsten Typen sind PLA, PETG, ABS, TPU und ASA — jedes mit anderen Druck- und Materialeigenschaften.
First Layer – Die erste gedruckte Schicht ist die Grundlage für alles weitere. Sitzt sie zu hoch, haftet nichts; sitzt sie zu tief, verkratzt du das Bett oder verstopfst die Nozzle. Nimm dir die Zeit für eine sorgfältige Kalibrierung, fast jeder Druckfehler lässt sich auf eine schlechte erste Schicht zurückführen.
Flow Rate (Durchflussrate) – Prozentwert, der steuert, wie viel Filament der Extruder im Verhältnis zur Soll-Menge ausstößt. 100% ist der Ausgangswert; zu niedrig → Unterextrusion mit sichtbaren Lücken, zu hoch → Überextrusion mit groben Oberflächen. Kalibriere den Flow Rate über Kalibrierungswürfel oder den eingebauten Test deines Slicers.
G
G-Code – Die Maschinensprache deines Druckers: Textdateien mit Befehlen für Bewegungen, Temperaturen und Lüftersteuerung. Dein Slicer wandelt das 3D-Modell (STL/3MF) automatisch in G-Code um. Fortgeschrittene Nutzer bearbeiten G-Code manuell oder schreiben eigene Start-/End-Skripte.
H
Hotend – Der heiße Bereich des Druckkopfs, in dem das Filament aufgeschmolzen wird. Besteht aus Nozzle, Heater Block, Heatbreak und Heatsink. Ein sauberes Hotend ist entscheidend für gleichmäßige Extrusion; verstopfte oder beschädigte Hotends sind eine häufige Fehlerquelle.
Haftung (Druckbett) – Sammelausdruck für alle Maßnahmen, die verhindern, dass sich dein Druck vom Bett löst. PEI-Platten bieten für PLA und PETG exzellente Haftung ohne Zusätze; Glasplatten brauchen oft Haftlack oder Klebestift. Sauberkeit (Isopropanol) ist bei allen Druckoberflächen der erste Schritt.
I
Infill – Die innere Füllung deines Drucks zwischen den Außenwänden. 15–20% reichen für die meisten Alltagsteile. Höherer Infill macht das Teil schwerer und fester, verlängert aber die Druckzeit erheblich. Das Muster (Grid, Gyroid, Honeycomb) beeinflusst, wie die Festigkeit im Teil verteilt ist.
K
Kalibrierung – Sammelbegriff für alle Einstellungen, die du vor dem ersten Druck (und regelmäßig danach) vornimmst: Bed Leveling, Z-Offset, Extruder-Schritte, Flow Rate und Retraction. Eine sorgfältige Grundkalibrierung spart dir später Stunden an Fehlersuche.
Klipper – Firmware-Alternative zu Marlin, die auf einem Raspberry Pi (oder ähnlichem SBC) läuft und den Drucker-Controller nur als Treiber nutzt. Klipper ermöglicht schnellere Druckgeschwindigkeiten durch Input Shaping und lässt sich komplett per Konfigurationsdatei anpassen — ohne Firmware neu zu flashen.
L
Layer Height (Schichthöhe) – Die Dicke einer einzelnen gedruckten Schicht. 0,2 mm ist der Standard für gute Balance aus Qualität und Geschwindigkeit. 0,12 mm liefert feinere Details, braucht aber doppelt so lange. 0,28–0,3 mm eignen sich für schnelle Drafts, wo Oberflächenqualität zweitrangig ist.
M
Marlin – Die meistverbreitete Open-Source-Firmware für FDM-Drucker, läuft direkt auf dem Drucker-Controller-Board. Marlin ist hochgradig konfigurierbar und unterstützt hunderte Drucker-Varianten. Für tiefgreifende Anpassungen musst du die Firmware neu kompilieren und flashen.
N
Nozzle (Düse) – Die Spitze des Hotends, durch die das geschmolzene Filament gepresst wird. Standard ist 0,4 mm Messing für PLA und PETG. Für Faserverbund-Filamente (Carbon, Glasfaser) brauchst du gehärtete Stahl-Nozzles, da Messing schnell verschleißt. Größere Nozzles (0,6 mm, 0,8 mm) drucken deutlich schneller, aber mit weniger Detail.
O
OctoPrint – Open-Source-Webinterface, das meist auf einem Raspberry Pi läuft und deinen Drucker per WLAN fernsteuerbar macht. Du kannst Druckdateien hochladen, Druckfortschritt überwachen, Timelapses aufnehmen und per Plugin-System erweitern. Für Einsteiger ist Mainsail oder Fluidd mit Klipper eine moderne Alternative.
P
Part Cooling Fan – Lüfter am Druckkopf, der gezielt frisch gedrucktes Filament kühlt. Entscheidend für scharfe Überhänge, saubere Brücken und Details. PLA profitiert von maximalem Cooling, während ABS und ASA ohne oder mit sehr wenig Kühlung gedruckt werden sollten.
PETG (Polyethylenterephthalat-Glycol) – Der Allrounder unter den Filamenten: stärker und wärmebeständiger als PLA (bis ca. 80°C), aber deutlich einfacher zu drucken als ABS. PETG ist leicht hygroskopisch — trocken lagern, sonst entstehen poröse Oberflächen und Stringing.
PLA (Polylactide) – Das meistgedruckte Filament für Einsteiger und Fortgeschrittene. Einfach zu verarbeiten, kaum Warping, biologisch abbaubar aus nachwachsenden Rohstoffen. Wärmeformbeständigkeit liegt bei ca. 55–60°C, was für Innenanwendungen meist ausreicht.
Print Speed (Druckgeschwindigkeit) – Die Geschwindigkeit, mit der der Druckkopf sich bewegt, angegeben in mm/s. Höhere Geschwindigkeit spart Zeit, kann aber Qualität kosten (Stringing, schlechtere Überhänge, Resonanzartefakte). Moderne Drucker wie Bambu Lab X1C oder Voron drucken mit Input Shaping auch bei 200–300 mm/s noch sauber.
PrusaSlicer – Slicer von Prusa Research, basiert auf dem Open-Source-Projekt Slic3r. Exzellente Profile für Prusa-Drucker, sehr gute Unterstützungs-Algorithmen und übersichtliche Oberfläche. Auch für andere Drucker gut nutzbar, dient als Basis für OrcaSlicer.
PTFE-Schlauch – Schlauch aus Polytetrafluorethylen (Teflon), der das Filament im Bowden-System oder innerhalb des Hotends führt. PTFE ist temperaturfest bis ca. 240°C; darüber beginnt es sich zu zersetzen und kann schädliche Dämpfe freisetzen. Für Hochtemperatur-Materialien (ABS, PA) gibt es All-Metal-Hotends ohne PTFE im Heatbreak.
R
Raft – Eine vollflächige Plattform unter deinem Objekt, die vor dem eigentlichen Druck gedruckt wird. Bietet die maximale Haftfläche, ist aber materialintensiv und hinterlässt eine rauere Unterseite. Nur sinnvoll für sehr problematische Geometrien; Brim oder gute Bett-Adhäsion erledigen es in den meisten Fällen besser.
Resin / SLA (Stereolithografie) – Zweite große 3D-Druck-Technologie für den Heimbereich. Statt Filament wird flüssiges Resin durch UV-Licht (LCD-Masken oder Laser) schichtweise ausgehärtet. Resin-Drucker liefern deutlich feinere Details und glattere Oberflächen als FDM, erfordern aber Schutzausrüstung, Nachbearbeitung (Waschen + Aushärten) und sorgfältige Resin-Entsorgung.
Retraction – Der Extruder zieht das Filament kurz zurück, bevor sich der Druckkopf ohne Extrusion bewegt. Das verhindert Stringing (Fädenziehen). Typische Werte: 0,5–1 mm bei Direct Drive, 3–6 mm bei Bowden. Zu viel Retraction verursacht Verstopfungen oder Gaps.
S
Slicer – Software, die dein 3D-Modell (STL, 3MF, OBJ) in Schichten zerlegt und daraus G-Code für deinen Drucker erzeugt. Der Slicer steuert alle wichtigen Parameter: Layer Height, Infill, Support, Geschwindigkeit, Temperatur und Retraction. Bekannte Slicer sind Cura, PrusaSlicer, OrcaSlicer und BambuSlicer.
Stringing – Dünne Fäden oder Haare zwischen Teilen deines Drucks, entstehen durch austretendes Filament während Leerbewegungen. Lösung: Retraction-Werte optimieren, Temperatur um 5°C senken, Druckgeschwindigkeit für Leerbewegungen erhöhen.
Support (Stützstrukturen) – Automatisch generierte Hilfsstrukturen für Überhänge über ca. 45°, die nach dem Druck entfernt werden. Weniger Support bedeutet weniger Nacharbeit und schönere Oberflächen — deshalb lohnt es sich, das Modell im Slicer so zu drehen, dass Überhänge minimiert werden.
T
Toleranz (Maßhaltigkeit) – Die Abweichung zwischen Soll- und Ist-Maß am fertigen Druck. Gute FDM-Drucker erreichen ±0,1–0,2 mm; für Passungen und mechanische Teile mit Schraubenbohrungen musst du diesen Wert in dein Modell einplanen. Kalibrierungswürfel helfen, die Toleranz deines Druckers zu ermitteln.
TPU (Thermoplastisches Polyurethan) – Flexibles Filament für Handyhüllen, Dichtungen, Räder und vibrationsdämpfende Bauteile. Du brauchst einen Direct-Drive-Extruder und langsame Druckgeschwindigkeiten (20–30 mm/s), da TPU im Bowden-System knickt und sich staut.
W–Z
Warping – Die Ecken oder Kanten deines Drucks biegen sich vom Bett weg, verursacht durch thermische Spannung beim Abkühlen. Besonders ABS und ASA neigen dazu. Gegenmaßnahmen: beheiztes Bett, Brim, geschlossenes Gehäuse und saubere Druckoberfläche.
Z-Offset – Feinjustierung des Abstands zwischen Nozzle und Druckbett. Zu großer Abstand → Filament haftet nicht, die Schicht liegt nur lose auf. Zu geringer Abstand → Nozzle kratzt in die Platte oder verstopft. Der richtige Z-Offset macht den größten Unterschied für die erste Schicht.
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Veröffentlicht durch die 3D-Druck Guide-Redaktion. Veröffentlicht am 12. März 2026.
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