3D-Drucke nachbearbeiten: Schleifen, Grundieren, Lackieren
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Warum Nachbearbeitung den Unterschied macht
Ein 3D-Druck direkt vom Drucker hat sichtbare Schichtlinien, Support-Narben und eventuell kleine Unvollkommenheiten. Für Funktionsteile ist das völlig irrelevant. Aber für Geschenke, Cosplay-Teile, Modelle oder Deko-Objekte macht die Nachbearbeitung den Unterschied zwischen "offensichtlich 3D-gedruckt" und "sieht aus wie gekauft".
Die gute Nachricht: Die notwendigen Materialien sind günstig, die Techniken einfach zu erlernen. Mit 30 Minuten Nachbearbeitung sieht ein Druck aus wie nach 3 Stunden.
Stufe 1: Grobes Nachbearbeiten
Support-Reste entfernen
- Seitenschneider für große Support-Strukturen
- Skalpell / Bastelmesser für feine Reste
- Immer vom Körper weg schneiden
Schleifpapier Set 36 Stück 400-3000
Feinschliff-Set für glatte Oberflächen – vom Grobschliff bis zur Hochglanzpolitur.
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Nähte und Blobs
Die Z-Naht (dort, wo jede Schicht beginnt und endet) hinterlässt eine sichtbare Linie. Mit einem scharfen Messer vorsichtig abschneiden, dann schleifen. Blobs (kleine Materialansammlungen) ebenfalls mit dem Messer entfernen.
Stufe 2: Schleifen
Schleifen ist der wichtigste Schritt und der, den die meisten unterschätzen. Richtig geschliffen sieht ein PLA-Druck auch ohne Lackierung deutlich besser aus.
Nass-Schleifen vs. Trocken-Schleifen
Nass-Schleifen (mit Wasser) ist bei PLA die bessere Wahl: Weniger Staubentwicklung, feineres Ergebnis, das Schleifpapier verstopft nicht so schnell. Trockenschleifen funktioniert auch, erzeugt aber feinen Kunststoffstaub (Maske tragen!).
Körnungs-Reihenfolge
| Körnung | Zweck | Wann verwenden |
|---|---|---|
| 120–180 | Grobes Abtragen | Support-Narben, große Unebenheiten |
| 240–400 | Glätten | Schichtlinien reduzieren |
| 600–800 | Feinschliff | Oberfläche für Primer vorbereiten |
| 1000–1500 | Polieren | Zwischen Lack-Schichten |
Schleif-Technik
- In kreisenden Bewegungen schleifen, nicht in einer Richtung
- Gleichmäßiger Druck – zu stark drücken erzeugt Mulden
- Bei Nass-Schleifen: Schleifpapier regelmäßig auswaschen
- Zwischen Körnungswechseln: Teil abspülen und trocknen lassen, Fortschritt prüfen
Stufe 3: Füller-Primer (Filler Primer)
Nach dem Schleifen sind die groben Schichtlinien weg, aber feine Rillen bleiben sichtbar. Füller-Primer (Sprühdose, ca. 8–12 €) füllt diese Rillen auf und schafft eine gleichmäßige Grundierung für den Lack.
Anwendung
- Teil gründlich reinigen (Staub und Fett entfernen)
- In dünnen, gleichmäßigen Schichten auftragen (2–3 Durchgänge)
- Zwischen den Schichten 15–20 Minuten trocknen lassen
- Nach dem Trocknen: Mit 600er-Papier leicht anschleifen
- Falls noch Linien sichtbar: Wiederholen
Stufe 4: Lackieren
Auf einem gut vorbereiteten Untergrund (geschliffen + geprimert) haftet Lack problemlos auf PLA, PETG und ABS.
Sprühlack vs. Pinsel
- Sprühlack: Gleichmäßigeres Ergebnis, schneller, aber Overspray und Gestank. Draußen oder in gut belüfteter Garage verwenden.
- Pinsel-Lack: Präziser für Details und kleine Teile. Acrylfarben (Revell, Vallejo) sind ideal.
- Airbrush: Das beste Ergebnis, aber hohe Einstiegshürde und Kosten (Set ab 80 €).
Sprühlack richtig auftragen
- Teil aufhängen oder auf drehbaren Untergrund stellen
- Abstand: 20–30 cm
- Dünne Schichten – lieber 4 dünne als 2 dicke
- Kreuzweise sprühen: Erst horizontal, nächste Schicht vertikal
- Zwischen Schichten: 10–15 Minuten Trockenzeit
Klarlack als Finish
Eine abschließende Schicht Klarlack schützt die Farbe und bestimmt den Glanzgrad:
- Matt: Natürliche Optik, verbirgt kleine Unregelmäßigkeiten
- Seidenmatt: Dezenter Glanz, vielseitig
- Hochglänzend: Maximaler Glanz, zeigt aber jede Unebenheit
Spezial-Techniken
Aceton Vapor Smoothing (nur ABS)
ABS löst sich in Aceton. Wenn ein ABS-Druck Aceton-Dämpfen ausgesetzt wird, glättet sich die Oberfläche chemisch – Schichtlinien verschwinden komplett. Das Ergebnis sieht aus wie Spritzguss.
Methode: Druck in einen geschlossenen Behälter stellen, kleine Menge Aceton auf ein Tuch geben (nicht direkt auf den Druck!), Behälter verschließen. Nach 30–60 Minuten prüfen. Vorsicht: Zu lange = Details verschwimmen.
Spachtelmasse für große Lücken
Wenn Schleifen und Primer nicht reichen – zum Beispiel bei tiefen Support-Narben – hilft Spachtelmasse. Auto-Spachtel aus dem Baumarkt (2K-Spachtel, ca. 5 €) lässt sich nach dem Trocknen schleifen und überprimern.
Grundierung mit Pinsel-Füller
Für kleinere Teile oder gezielte Stellen ist streichbarer Füller (z.B. Modellbau-Füller) präziser als Sprüh-Primer. Punktuell auftragen, trocknen lassen, schleifen.
Werkzeug-Grundausstattung für Nachbearbeitung
| Werkzeug | Kosten ca. | Zweck |
|---|---|---|
| Schleifpapier-Set (120–1500) | 5 € | Schleifen aller Stufen |
| Bastelmesser / Skalpell | 3 € | Support-Reste, Nähte |
| Füller-Primer (Sprühdose) | 8 € | Rillen füllen, Grundierung |
| Sprühlack (Farbe + Klarlack) | 12 € | Farbgebung und Schutz |
| Nitril-Handschuhe | 5 € | Schutz beim Lackieren |
| Atemschutzmaske (FFP2+) | 3 € | Staub- und Lackschutz |
Gesamtkosten: ca. 36 € für eine komplette Nachbearbeitungs-Grundausstattung.
Fazit: Nachbearbeitung als eigenes Hobby
Viele Maker entdecken, dass die Nachbearbeitung genauso spannend ist wie der Druck selbst. Mit etwas Übung lassen sich 3D-Drucke in Objekte verwandeln, die nicht mehr wie 3D-Drucke aussehen. Der Aufwand skaliert mit dem Anspruch – ein schnelles Schleifen und Grundieren dauert 20 Minuten, ein perfektes Hochglanz-Finish einen Nachmittag. Beides ist völlig legitim.
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