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Brim, Raft und Skirt erklÀrt: Wann du welche Haftungshilfe brauchst

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Brim, Raft und Skirt erklÀrt: Wann du welche Haftungshilfe brauchst

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Du öffnest die Slicer-Einstellungen und siehst drei Optionen: Skirt, Brim und Raft. Viele Einsteiger wissen nicht, was der Unterschied ist und waehlen entweder immer Brim (zu viel) oder nie (zu wenig). Hier ist die klare Erklaerung.

Skirt: Die AufwÀrmuebung

Ein Skirt ist eine Linie (oder mehrere), die um dein Modell herum gedruckt wird, ohne es zu beruehren. Es hat NICHTS mit Haftung zu tun.

  • Zweck: Den Extruder vorbereiten. Die ersten Zentimeter Extrusion sind oft ungleichmaessig. Der Skirt faengt das ab, damit dein Modell mit sauberem Fluss beginnt.
  • Wann nutzen: Immer. Es gibt keinen Grund, den Skirt auszuschalten. 2–3 Linien reichen.
Brim, Raft und Skirt erklĂ€rt: Wann du welche Haftungshilfe brauchst — practical guide overview
Brim, Raft und Skirt erklÀrt: Wann du welche Haftungshilfe brauchst

Wie viele Skirt-Linien sind wirklich noetig?

Die Standardeinstellung von 2–3 Linien passt fĂŒr die meisten Situationen. Bei Filamenten, die laenger in der Luft lagen oder frisch aus einer neuen Rolle kommen, empfehlen sich 3–5 Linien, besonders bei hygroskopischen Materialien wie Nylon oder TPU, die Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufnehmen und dann beim Drucken knistern oder Blasen bilden. Hast du einen Bowden-Extruder mit laengerem PTFE-Schlauch (zum Beispiel bei einem Ender 3 oder Artillery Sidewinder), erhoehe den Skirt auf 4–6 Linien. Der laengere Weg vom Extruder zur Duese bedeutet: mehr Material muss fliessen, bevor der Druck sauber beginnt.

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Kleines Modell, grosser Skirt-Abstand? Dann kann der Skirt zu weit vom Modell entfernt gedruckt werden, um wirklich zu helfen. Setze den Skirt-Abstand auf 2–3 mm und die Mindestlaenge auf 200 mm, damit der Extruder genĂŒgend Weg hat, um sich vollstĂ€ndig aufzuwĂ€rmen.

Skirt oder Purge Line: was brauchst du wirklich?

Manche Drucker fuehren automatisch eine Purge Line an der Bett-Seite aus, das ist technisch dasselbe wie ein Skirt, aber ausserhalb des Druckbereichs. Wenn dein Start-G-Code bereits eine Purge Line enthÀlt (was bei vielen Klipper-Setups und Bambu-Druckern Standard ist), reicht ein Skirt mit 1 Linie oder du kannst ihn ganz deaktivieren. Beides gleichzeitig zu nutzen macht keinen Sinn und verschwendet Material und Zeit.

💡 Gut zu wissen: Bei Multicolor-Drucken oder Drucken mit mehreren Objekten auf der Platte kann ein Skirt dazu fuehren, dass die Ă€ußerste Skirt-Linie sehr lang wird und unnoetig viel Material verbraucht. Schalte in solchen FĂ€llen den Skirt aus und stelle sicher, dass dein Start-G-Code eine eigene Purge-Routine enthĂ€lt.

Brim: Die Haftflaechen-Erweiterung

Ein Brim ist eine flache Schicht, die direkt an der Basis deines Modells anliegt und die Kontaktflaeche zum Druckbett kuenstlich vergrĂ¶ĂŸert.

  • Zweck: Haftung verbessern und Warping verhindern bei Teilen mit kleiner Aufstandsflaeche.
  • Wann nutzen: Bei Teilen mit kleiner Basis, langen duennen Teilen, ABS/ASA (Warping-Praevention).
  • Breite: 5–10 mm sind Standard. Bei starkem Warping (ABS) auch 15–20 mm.

Brim-Breite richtig einstellen: die MaterialĂŒbersicht

Die Brim-Breite entscheidet darĂŒber, wie gut dein Teil hĂ€lt, und wie aufwĂ€ndig das Entfernen hinterher ist. Als Faustregel gilt:

  • PLA, grosse flache Basis: Kein Brim noetig, nur Skirt
  • PLA, kleine oder schmale Basis: 4–6 mm Brim reichen
  • PETG auf glatten Platten: 6–8 mm, da PETG auf PEI manchmal zu wenig haftet
  • ABS/ASA ohne Enclosure: 10–15 mm, hier lieber zu viel als zu wenig
  • Flexible Materialien (TPU, TPE): 3–4 mm, da TPU gut haftet und ein breiter Brim sehr schwer zu entfernen ist

Druckst du tuermartige Objekte wie Miniaturen, Figuren oder Stative? Dann ist weniger manchmal mehr. Ein Brim von 3 mm reicht oft, weil du nur die Kanten stabilisieren willst, die Haftflaeche an sich ist bereits gut.

Brim, Raft und Skirt erklĂ€rt: Wann du welche Haftungshilfe brauchst — step-by-step visual example
Brim, Raft und Skirt erklÀrt: Wann du welche Haftungshilfe brauchst

Brim-Varianten: Normal, Ears und Inner Brim

Moderner Slicer bieten mehr als nur den klassischen Vollrand. Die drei wichtigsten Varianten im Überblick:

  • Normaler Brim: Umgibt die gesamte Modellbasis ringfoermig. Beste Gesamthaftung, aber der grĂ¶ĂŸte Nachbearbeitungsaufwand. Sinnvoll fĂŒr ABS-Drucke ohne Enclosure.
  • Brim Ears: Dreiecksfoermige Brim-Flecken nur an Ecken und Kanten. Perfekt fĂŒr eckige Gehaeusedeckel, Clips oder rechteckige Platten, minimale Nacharbeit, gute Haftung genau dort, wo es zieht.
  • Inner Brim (OrcaSlicer/PrusaSlicer): Fuellt auch Innenbereiche von Öffnungen und Durchbruechen mit Brim-Material. Sinnvoll bei Modellen mit mehreren Loechern in der ersten Schicht, die sich sonst lösen wĂŒrden.

FĂŒr 80 Prozent aller Alltagsdrucke ist Brim Ears die cleverste Wahl: Du gewinnst Stabilitaet an den Problemzonen, ohne den ganzen Rand heraustrennen zu mĂŒssen.

Brim entfernen: Ein gut eingestellter Brim laesst sich nach dem Druck mit einem Seitenschneider und leichtem Schleifpapier sauber entfernen. Manche Slicer bieten 'Brim Gap' oder 'Brim Ears' fĂŒr leichteres Entfernen.

Raft: Das Fundament

Ein Raft ist ein komplettes Gitter, das unter deinem Modell gedruckt wird. Dein Modell sitzt auf dem Raft statt direkt auf der Druckplatte.

  • Zweck: Extremes Warping kompensieren, unebene Druckbetten ausgleichen.
  • Wann nutzen: Fast nie bei modernen Druckern mit Auto-Leveling.
  • Nachteile: Verschwendet viel Material, verlaengert die Druckzeit erheblich, die Unterseite wird rau.

Wann ist ein Raft ausnahmsweise doch sinnvoll?

Es gibt tatsÀchlich Szenarien, in denen ein Raft die beste Wahl ist, aber sie sind seltener als viele denken:

  • Sehr kleine Aufstandsflaeche: Modelle mit nur wenigen Quadratmillimetern Kontaktpunkt, zum Beispiel duenne Zapfen oder Gelenkpins, profitieren manchmal von einem Raft als stabiler Startbasis.
  • Hochtemperatur-Filamente auf unbekanntem Bett: PC (Polycarbonat) oder Nylon brauchen Betttemperaturen von 80–110 °C. Wenn du Material und Bett noch nicht kennst, kann ein Raft das Warping-Risiko deutlich senken.
  • Stark gewellte oder alte Druckbetten: Bei Betten mit deutlichen Hoehendifferenzen (mehr als 0,3 mm ĂŒber die Flaeche) kann das Raft als Puffer wirken, bis du dir ein neues Bett besorgst.

In allen anderen FĂ€llen gilt: Ein Raft ist ein Symptom-Pflaster. 15–25 Minuten Mehrdruckzeit und 5–15 g Mehrmaterial pro Druck summieren sich schnell. Und die Unterseite des Modells wird nie so sauber wie ein direkt auf dem Bett gedrucktes Teil.

Raft als letzter Ausweg: Wenn du regelmĂ€ĂŸig Rafts brauchst, stimmt etwas Grundlegendes nicht. Pruefe dein Bed-Leveling, reinige die Druckplatte, oder tausche sie aus.

Entscheidungsbaum

  • Modell hat grosse, flache Basis: Nur Skirt. Kein Brim oder Raft noetig.
  • Modell hat kleine Aufstandsflaeche: Brim mit 5–8 mm Breite.
  • Modell neigt zu Warping (ABS/ASA): Brim mit 10–15 mm Breite plus Enclosure.
  • Druckbett ist katastrophal uneben: Raft, und dann ein neues Druckbett kaufen.
✅ Tipp: OrcaSlicer und PrusaSlicer bieten 'Brim Ears', kleine Brim-Dreiecke nur an den Ecken des Modells. Das reicht fĂŒr die meisten Haftungsprobleme und ist viel einfacher zu entfernen als ein durchgehender Brim.

Skirt immer an, Brim bei Bedarf, Raft fast nie. Diese Faustregel deckt 95 Prozent aller Situationen ab.

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Veröffentlicht durch die 3D-Druck Guide-Redaktion. Veröffentlicht am 30. August 2026. Aktualisiert am 12. September 2026.

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