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Der erste Druck: Drucker kalibrieren und Benchy drucken

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Der erste Druck: Drucker kalibrieren und Benchy drucken

Der Drucker steht – was jetzt?

Der Drucker ist aufgebaut, die erste Rolle PLA liegt bereit. Jetzt bloß nicht auf "Drucken" klicken und hoffen, dass alles funktioniert. Ein paar Minuten Kalibrierung am Anfang sparen Stunden Frust später. Die gute Nachricht: Moderne Drucker nehmen dir den Großteil der Arbeit ab. Trotzdem gibt es ein paar Stellschrauben, die den Unterschied zwischen "geht so" und "perfekt" ausmachen.

Schritt 1: Druckbett vorbereiten

Das Druckbett ist die Grundlage für jeden erfolgreichen Druck. Bevor irgendetwas kalibriert wird, muss die Druckfläche sauber sein.

  • PEI-Beschichtung: Mit Isopropylalkohol (IPA, 90%+) abwischen. Kein Spülmittel, kein Glasreiniger – viele Reiniger hinterlassen Rückstände, die die Haftung zerstören.
  • Glasplatte: Ebenfalls IPA. Bei hartnäckigen Rückständen: Aceton vorsichtig verwenden.
  • Nie mit bloßen Fingern über die Druckfläche streichen – Hautfett ist der Feind der Betthaftung.

Schritt 2: Auto-Leveling durchführen

Die meisten modernen Drucker (Bambu Lab, Creality V3, Anycubic Kobra 3) haben automatisches Bed-Leveling eingebaut. Der Drucker fährt mit einem Sensor über das Bett und misst die Höhe an vielen Punkten. Aus diesen Daten erstellt er ein Mesh – eine digitale Karte der Bett-Topografie – und kompensiert Unebenheiten während des Drucks.

Was du tun musst

  1. Druckbett auf Betriebstemperatur bringen (für PLA: 60 °C)
  2. Auto-Leveling im Menü starten
  3. Warten, bis der Prozess abgeschlossen ist (1–3 Minuten)
  4. Ergebnis prüfen: Die meisten Drucker zeigen das Mesh als Heatmap – geringe Abweichungen (<0,3 mm) sind normal
Tipp: Führe das Auto-Leveling bei aufgeheiztem Bett durch. Metall dehnt sich bei Wärme aus – ein bei Raumtemperatur erstelltes Mesh ist bei 60 °C nicht mehr akkurat.

Falls dein Drucker kein Auto-Leveling hat

Manuelles Leveling mit der Papiermethode: Ein Blatt Kopierpapier zwischen Nozzle und Bett. An jeder Ecke und in der Mitte die Höhe einstellen, bis das Papier leicht kratzt aber noch beweglich ist. Dann den Vorgang wiederholen – das Anpassen einer Ecke beeinflusst die anderen.

Schritt 3: Z-Offset feintunen

Selbst mit perfektem Auto-Leveling kann der Abstand zwischen Nozzle und Bett um Bruchteile von Millimetern daneben liegen. Der Z-Offset korrigiert das.

Den perfekten ersten Layer erkennen

Der erste Layer ist der wichtigste. Daran erkennst du, ob der Z-Offset stimmt:

  • Zu weit weg: Filament haftet nicht, wird vom Bett "geschleift", runde Bahnen statt flacher Streifen
  • Perfekt: Leicht flachgedrückte Bahnen, die sauber nebeneinander liegen. Keine Lücken, kein Überlappen.
  • Zu nah: Filament wird extrem flachgedrückt, transparente Stellen, Nozzle kratzt über vorherige Bahnen

Z-Offset einstellen

Die meisten Drucker erlauben Live-Anpassung während des Drucks. Starte einen einfachen ersten Layer-Test (ein flaches Quadrat) und passe den Z-Offset in 0,02-mm-Schritten an, bis das Ergebnis stimmt. Diese Feinabstimmung macht mehr Unterschied als jeder andere Parameter.

Wichtig: Den Z-Offset nach einem Nozzle-Wechsel immer neu kalibrieren. Unterschiedliche Nozzles haben unterschiedliche Längen – auch bei gleichen Herstellern.

Schritt 4: Filament laden und Flow-Test

Filament einführen ist simpel: Spitze des Filaments gerade abschneiden (schräger Schnitt = klemmt leichter), in den Extruder führen, Einzug starten. Das Filament sollte gleichmäßig aus der Nozzle fließen.

Extrusionsmenge prüfen

Der E-Steps-Test stellt sicher, dass der Extruder genau die richtige Menge Filament fördert:

  1. Markierung auf dem Filament setzen, 100 mm über dem Extruder-Eingang
  2. 100 mm Extrusion über das Druckermenü auslösen
  3. Messen, wie viel Filament tatsächlich eingezogen wurde
  4. Bei Abweichung: E-Steps in der Firmware anpassen

Bei den meisten modernen Druckern (besonders Bambu Lab) ist das ab Werk perfekt kalibriert. Trotzdem gut zu wissen, falls Unter- oder Überextrusion auftritt.

Schritt 5: Das erste Benchy drucken

Das 3D-Benchy – ein kleines Boot – ist der Standard-Benchmark der 3D-Druck-Community. In einem Druck testet es: Überhänge, Bridging, kleine Details, runde Formen, flache Flächen und Retraction. Wenn das Benchy gut aussieht, ist der Drucker bereit für echte Projekte.

Benchy herunterladen und slicen

  1. 3DBenchy.com besuchen oder im Slicer nach "Benchy" suchen
  2. Standardprofil für PLA im Slicer laden (keine Parameter ändern!)
  3. 0,2 mm Layerhöhe, 15% Infill, kein Support
  4. Drucken. Bei 200 mm/s ca. 20–30 Minuten, bei 60 mm/s ca. 60 Minuten.

Benchy bewerten: Worauf achten?

Stelle am BenchyTestetProblem deutet auf
Boden / erste SchichtBetthaftung, Z-OffsetElefantenfuß oder Ablösung
Schornstein (oben)Kleine Details, RetractionStringing, Blobs
BugüberhängeÜberhang-QualitätKühlung zu gering
KabinendachBridgingDurchhängen = Temperatur zu hoch
SeitenflächenLayer-GleichmäßigkeitBanding, Z-Wobble
Tipp: Fotografiere dein erstes Benchy und bewahre es auf. In ein paar Wochen, wenn du deine Settings optimiert hast, druckst du ein neues – der Unterschied wird erstaunlich sein.

Häufige Probleme beim ersten Druck

Filament haftet nicht am Bett

Druckbett sauber? Z-Offset prüfen (näher). Betttemperatur erhöhen (5 °C Schritte). Erste Schicht langsamer drucken (50% der normalen Geschwindigkeit).

Stringing (Fäden zwischen Teilen)

Retraction-Distanz erhöhen (bei Direktextruder: 0,5–2 mm). Retraction-Speed erhöhen. Nozzle-Temperatur um 5 °C senken.

Warping (Ecken heben sich)

Bei PLA selten, aber möglich: Betttemperatur leicht erhöhen. Brim aktivieren (ein flacher Rand um den Druck für mehr Haftfläche). Zugluft vermeiden.

Fazit: Kalibrierung ist kein einmaliger Vorgang

Die Erstkalibrierung ist der Grundstein. Aber: Jedes neue Filament, jede neue Nozzle und jede Saison (Raumtemperatur verändert sich) kann Anpassungen erfordern. Das gehört zum Hobby. Ein gut kalibrierter Drucker ist kein Zustand – es ist ein Prozess. Und der startet mit einem sauberen Bett, einem korrekten Z-Offset und einem ordentlichen Benchy.

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