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Multi-Color-Druck: Mehrfarbig drucken mit AMS, MMU und Filamentwechsel

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Multi-Color-Druck: Mehrfarbig drucken mit AMS, MMU und Filamentwechsel

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Mehrfarbig drucken: Hype vs. Realität

Mehrfarbige 3D-Drucke sehen auf Social Media spektakulär aus. Bunte Lithophane, zweifarbige Namensschilder, vierfarbige Figurinen. Was dabei selten gezeigt wird: der riesige Waste-Tower neben dem fertigen Teil, der manchmal mehr Material verbraucht als der Druck selbst. Trotzdem – Multi-Color-Druck ist eine faszinierende Technik, die richtig eingesetzt echten Mehrwert bietet.

Die drei Wege zum Mehrfarbendruck

1. Automatischer Filamentwechsel (AMS / MMU)

Dedizierte Hardware, die mehrere Filamentrollen aufnimmt und automatisch wechselt. Die gängigsten Systeme:

SystemHerstellerSlotsPreis ca.
AMSBambu Lab490 €
AMS LiteBambu Lab460 €
MMU3Prusa5300 €
ACE ProAnycubic4170 €

Funktionsweise: Der Drucker pausiert, zieht das aktuelle Filament zurück, lädt das neue Filament, purged die alte Farbe aus der Nozzle in einen Waste-Tower und druckt weiter. Pro Farbwechsel gehen ca. 30–60 Sekunden und 10–30 cm Filament verloren.

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2. Manueller Filamentwechsel (M600)

Kostenfrei, aber arbeitsintensiv. Im Slicer wird an einer bestimmten Layerhöhe ein Farbwechsel eingefügt (G-Code-Befehl M600). Der Drucker pausiert, das Filament wird manuell gewechselt, der Druck fortgesetzt.

  • Vorteil: Keine Zusatzhardware, funktioniert mit jedem Drucker
  • Nachteil: Nur horizontale Farbwechsel (Farbe ändert sich pro Schicht), man muss am Drucker sein
  • Ideal für: Zweifarbige Schilder, Namensschilder, Logos mit Hintergrund

3. Single-Nozzle Painting (Slicer-basiert)

In Bambu Studio und PrusaSlicer können einzelne Flächen des Modells mit verschiedenen Farben "bemalt" werden. Der Slicer erzeugt automatisch die Farbwechsel. Braucht ein AMS/MMU-System für die Ausführung, aber die Gestaltungsmöglichkeiten sind flexibler als bei M600.

Realitäts-Check: Automatischer Multi-Color-Druck funktioniert am zuverlässigsten mit PLA. PETG, ABS und flexible Filamente erhöhen die Fehlerrate bei Farbwechseln deutlich.

Das Waste-Problem: Die unbequeme Wahrheit

Bei jedem Farbwechsel muss die alte Farbe aus der Nozzle gespült werden. Das passiert über einen Purge-Tower – eine Säule neben dem eigentlichen Druck, in die das verunreinigte Filament extrudiert wird.

Multi color druck ams mmu filamentwechsel — step-by-step visual example
Multi color druck ams mmu filamentwechsel

Waste-Rechnung

Ein typischer zweifarbiger Druck mit 50 Farbwechseln:

  • Purge pro Wechsel: ca. 40 mm Filament (≈ 1,5 g bei PLA)
  • 50 Wechsel × 1,5 g = 75 g Waste
  • Wenn der eigentliche Druck 100 g wiegt: 75% Waste-Verhältnis

Bei vierfarbigen Drucken mit vielen kleinen Details kann der Waste-Tower größer sein als das fertige Teil. Das ist kein Bug – es ist ein physikalisches Limit der Single-Nozzle-Technik.

Waste reduzieren

  • Purge in Infill: Manche Slicer (Bambu Studio) können verunreinigtes Filament in den Infill des Teils drucken statt in einen separaten Tower. Spart Material, kann aber die Teile-Qualität beeinflussen.
  • Weniger Farben: Jede zusätzliche Farbe multipliziert die Farbwechsel. Zwei Farben statt vier halbiert den Waste oft mehr als erwartet.
  • Große Farbbereiche: Viele kleine Farbflächen = viele Wechsel pro Layer. Wenige große Flächen = weniger Wechsel.
Multi color druck ams mmu filamentwechsel — helpful reference illustration
Multi color druck ams mmu filamentwechsel
Kostenrechnung: Bei einem 100-g-Druck mit 75 g Waste und Filament-Kosten von 25 €/kg kosten allein die Purge-Abfälle ca. 1,90 €. Bei teurerem Filament oder mehr Farben steigt das schnell.

Software-Workflow für Multi-Color

In Bambu Studio

  1. Modell importieren (STL oder 3MF)
  2. Filamente in den Slots zuweisen (Farben definieren)
  3. Painting-Tool nutzen: Flächen anklicken und Farbe zuweisen
  4. Oder: Multi-Body 3MF importieren, bei dem jeder Body eine Farbe hat
  5. Slicen – Preview zeigt den Purge-Tower und die geschätzte Waste-Menge

In PrusaSlicer

  1. Multi-Material-Drucker-Profil wählen
  2. Modell importieren
  3. MMU-Painting-Tool für Farbzuweisung
  4. Custom G-Code für M600-Farbwechsel (ohne MMU)

Praxis-Projekte für den Einstieg

Einsteiger: Zweifarbiges Namensschild (M600)

Kein AMS nötig. Hintergrund in einer Farbe drucken, bei der richtigen Layerhöhe Filament wechseln, Text in anderer Farbe oben drauf. Ein Farbwechsel, minimaler Waste, großer Effekt.

Fortgeschritten: Vierfarbiges Logo (AMS/MMU)

Logo als SVG in Fusion 360 extrudieren, separate Bodies für jede Farbe exportieren. In Bambu Studio als Multi-Body 3MF laden. Purge-in-Infill aktivieren für weniger Waste.

Expert: Bemalt-Effekt mit Slicer-Painting

Organische Modelle (z.B. Figuren, Tiere) mit dem Painting-Tool einfärben. Erfordert Geduld beim Bemalen im Slicer und gut eingestelltes AMS/MMU. Ergebnis: Drucke, die aussehen wie handbemalt.

Einstiegs-Empfehlung: Mit M600 und zweifarbigen Schildern starten. Kein Investment, schnelles Erfolgserlebnis. Erst wenn das Routine ist, lohnt sich die Anschaffung eines AMS/MMU.

Fazit: Multi-Color als bewusste Entscheidung

Mehrfarbendruck ist technisch faszinierend und erweitert die Möglichkeiten enorm. Aber er kommt mit realen Kosten: Material-Waste, längere Druckzeiten und höhere Fehlerquoten. Wer die Kosten kennt und bewusst entscheidet, wann Multi-Color den Mehrwert bringt, holt das Maximum aus der Technik. Für alles andere reicht auch Acrylfarbe nach dem Druck.

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