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PETG vs. ABS: Welches Filament für welchen Einsatz?

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PETG vs. ABS: Welches Filament für welchen Einsatz?

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Hinweis: Die hier genannten Einstellungen sind Richtwerte. Dein Drucker, dein Filament und deine Umgebungstemperatur beeinflussen das Ergebnis.

PETG vs ABS: Kennwerte, Druckparameter und Materialwahl im direkten Vergleich

PETG: Zugfestigkeit 50 MPa, Bruchdehnung 23 %, Schlagzähigkeit hoch, Glasübergangstemperatur 80 °C. ABS: Zugfestigkeit 40 MPa, Bruchdehnung 20 %, Schlagzähigkeit sehr hoch, Glasübergangstemperatur 105 °C. Der entscheidende Unterschied: ABS verträgt 25 °C mehr Hitze als PETG. Für Teile im Motorraum, in der Nähe von Heizungen oder unter direkter Sonneneinstrahlung im Sommer (Armaturenbrett) ist ABS die sichere Wahl.

PETG ist zäher als ABS, es biegt sich, bevor es bricht. ABS bricht eher spröde (nach Alterung durch UV-Licht zunehmend). Für Teile, die Stöße abfangen müssen (Handyhüllen, Werkzeuggriffe, Spielzeug): PETG. Für Teile, die exakt maßhaltig sein müssen und Hitze ausgesetzt sind (Gehäuse für Elektronik, Motorhalterungen): ABS.

Druckbarkeit: PETG ist deutlich einfacher

PETG druckst du bei 230–250 °C Nozzle-Temperatur, 70–80 °C Bett, ohne Gehäuse, bei 40–60 mm/s. Warping: Minimal. Betthaftung: PEI-Platte direkt, keine Hilfsmittel nötig. Stringing: PETG neigt zu Fädenziehen, Retraction auf 3–5 mm einstellen und Geschwindigkeit auf 40–50 mm/s. Travel Speed erhöhen auf 150 mm/s reduziert Stringing ebenfalls.

Petg vs abs vergleich: practical guide overview
Petg vs abs vergleich

ABS druckst du bei 240–260 °C Nozzle, 95–110 °C Bett, Gehäuse Pflicht (45–55 °C Raumtemperatur), bei 40–60 mm/s. Warping: Stark bei Teilen über 100 mm Grundfläche. Betthaftung: ABS-Saft (ABS-Späne in Aceton gelöst, dünn auftragen), Magigoo ABS oder Kapton-Tape. ABS-Geruch beim Drucken: Unangenehm und potenziell schädlich, nur mit Gehäuse und Absaugung/Filterung drucken.

Entscheidungsmatrix: PETG oder ABS für dein Projekt

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PETG wählen wenn: Hitzebeständigkeit unter 80 °C reicht, Lebensmittelkontakt vorkommt (PETG ist FDA-zugelassen in der Rohform), UV-Beständigkeit wichtig ist (PETG vergilbt nicht), du kein geschlossenes Gehäuse hast, du Einsteiger bist und zuverlässige Ergebnisse willst. ABS wählen wenn: Hitzebeständigkeit über 80 °C nötig ist, Aceton-Glättung gewünscht ist (glatte Oberfläche ohne Schleifen), Schlagzähigkeit bei dünnen Wandstärken wichtig ist, das Teil nachträglich mit ABS-Kleber (Aceton + ABS-Späne) verklebt werden soll.

Nachbearbeitung und Kleben

ABS kleben: ABS-Saft (ABS-Späne in Aceton gelöst, dickflüssige Konsistenz) ist der stärkste Klebstoff für ABS-Teile. Die Klebeflächen werden vom Aceton angelöst, verschmelzen miteinander und härten als ein Stück aus. Fugenfrei und wasserdicht. Alternativ: Sekundenkleber (Cyanoacrylat) für schnelle Reparaturen. PETG kleben: Sekundenkleber funktioniert gut, Epoxidharz für belastbare Verbindungen. Aceton wirkt bei PETG nicht, PETG ist aceton-resistent, was es für chemisch belastete Anwendungen interessant macht.

Oberflächen-Finish: ABS mit Aceton glätten (Dampfbad, 10–30 Sekunden) erzeugt spiegelglatte Oberflächen. PETG kann nicht chemisch geglättet werden, hier bleibt nur Schleifen und Lackieren. Dieser Vorteil von ABS ist für viele Maker der Hauptgrund, trotz der schwierigeren Druckbarkeit ABS zu wählen.

Petg vs abs vergleich: step-by-step visual example
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Meine persönliche Empfehlung: Starte mit PETG. Es verzeiht Anfängerfehler besser als ABS, braucht kein Gehäuse, ist hitzebeständiger als PLA, und die Druckergebnisse sind für 90 % aller Anwendungen ausreichend. Greife nur zu ABS, wenn du spezifische Gründe hast: Aceton-Glättung, Hitzebeständigkeit über 80 °C, oder industrielle Kompatibilität (ABS ist in der Industrie Standard). Die 10-€-Ersparnis pro Kilo ABS gegenüber PETG holst du durch weniger Fehldrucke und eingesparte Gehäusekosten mehrfach wieder rein.

PETG vs ABS in der Praxis: Druckbarkeit, Nachbearbeitung und Einsatzbereiche

PETG und ABS teilen sich eine Zielgruppe — Maker, die mehr als PLA wollen — aber sie lösen unterschiedliche Probleme. PETG druckt bei 230–250 °C, braucht 75–85 °C Betttemperatur und verzeiht fehlende Einhausung. ABS druckt bei 230–260 °C, braucht 100–110 °C Betttemperatur und verzeiht keine offene Druckumgebung — Warping, Rissbildung und Schichtdelamination sind ohne Enclosure die Regel, nicht die Ausnahme. Der entscheidende Praxis-Unterschied: Ein Ender 3 oder Prusa MK3 druckt PETG zuverlässig. ABS zuverlässig zu drucken erfordert entweder einen Bambu Lab X1C, einen Prusa Enclosure oder eine selbst gebaute Einhausung. Wer das nicht hat, kauft ABS und druckt am Ende PETG.

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Veröffentlicht durch die 3D-Druck Guide-Redaktion. Veröffentlicht am 12. April 2026.

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